Seit 2007 ist Lothar Wölfle Landrat des Bodenseekreises. Im Interview mit business today sagt der studierte Jurist, was den Bodenseekreis auszeichnet, wo er aktuell den dringlichsten Handlungsbedarf sieht, mit welchen Maßnahmen die regionale Verwaltung der Wirtschaftskrise entgegen wirkt und wie seine Vision für den Bodenseekreis der Zukunft aussieht.
Sie sind seit nun rund drei Jahren im Amt. Wie fällt die Zwischenbilanz Ihrer Arbeit aus?
Lothar Wölfle: Wir haben einige sehr wichtiger Akzente gesetzt. Die Messezufahrt Nord ist in Rekordzeit fertiggestellt worden. Der Planfeststellungsbeschluss für die Südumfahrung Kehlen liegt auf dem Tisch und die Südumfahrung Markdorf ist in Bearbeitung. Der Neubau im Berufschulzentrum in Friedrichshafen ist abgeschlossen, zudem laufen umfangreiche Investitionen an allen unseren Schulen im Rahmen des Konjunkturpaketes II.
Eine jahrzehntelange Diskussion um eine beschützende Einrichtung für misshandelte Frauen und Kinder ist abgeschlossen, wir werden diese Einrichtung nun bekommen. Auch das Landratsamt selbst steht auf dem Prüfstand, etwa mit der Organisationsuntersuchung des Jugendamtes. Schließlich haben wir die Verschuldung im Kreis etwas reduziert, wenn auch noch nicht so, wie ich mir dies vorstelle.
Wo sehen Sie die besonderen Stärken der Region?
Wölfle: Der Bodenseekreis wurde mit anderen oberschwäbischen Landkreisen vor rund zwei Jahren mit dem Bundespreis der Stiftung Kulturlandschaft ausgezeichnet. In unserer Region ist es gelungen, ein Miteinander von Umwelt und Industrie, von Tourismus und Landschaftschutz zu erreichen. Das ist eine Stärke, die es zu erhalten gilt.
Was sind die Schwächen des Bodenseekreises?
Wölfle: Bei der Verkehrsinfrastruktur haben wir offenkundig Nachholbedarf: kein Kilometer elektrifizierte Schiene und ein stark überlastetes Straßennetz. Der Kreis macht hier seine Hausaufgaben und das Land plant die Südumfahrungen von Bermatingen und Neufrach. Es ist jetzt der Bund gefordert, endlich mehr Geld in den Bundesfernstraßenbau zu investieren.
Als Industriestandort ist der Bodenseekreis besonders stark von der Wirtschaftskrise betroffen. Wie reagiert die regionale Verwaltung auf diese Entwicklung?
Wölfle: In Zusammenarbeit mit Betrieben haben die Beruflichen Schulen im Kreis zusätzliche Qualifizierungsangebote unterbreitet, um so die Kurzarbeit möglichst optimal zu nutzen. Unserem Antrag, eine zusätzliche Technikerklasse an der Elektronikschule in Tettnang und der Claude-Dornier-Schule in Friedrichshafen einzurichten, hat das Land dankenswerterweise entsprochen. Außerdem gab es einen runden Tisch mit den örtlichen Großbetrieben, der Stadt Friedrichshafen, den ortsansässigen Banken und dem Bodenseekreis. Hier wurde viel getan, um frühzeitig finanzielle Schwierigkeiten insbesondere in der Zuliefererindustrie zu erkennen und rechtzeitig zu handeln.
Welche Effekte erhoffen Sie sich von den getroffenen Maßnahmen?
Wölfle: Die Qualifizierungsmaßnahmen helfen den betroffenen Arbeitnehmern bei der persönlichen Weiterentwicklung und machen sie für den künftigen Arbeitsmarkt noch wichtiger. Was die Zuliefererindustrie angeht: Ich glaube eine frühzeitige Information hat in manchem Fall dazu beigetragen, Schwierigkeiten gar nicht erst zum Problem werden zu lassen.■
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