Wenn der Schnee erst mal wieder weggetaut ist, beginnt auf den Golfplätzen der Region wieder das Leben. Der einst elitäre Sport findet immer mehr Anhänger. Kein Wunder – Golf ist frische Luft, Bewegung und Sport in einem.
Wenn wir einen deutschen Golfer bekommen, der auf dem Niveau von Tiger Wodds spielt, dann geht das hier genauso los wie in den USA.“ Der das sagt, ist Sport-Journalist, Golfer und er ist felsenfest davon überzeugt, dass die Faszination Golf eines Tages auch Deutschland erfassen wird. Ein Vergleich mit dem Tennissport bietet sich an: Lange galt das Spiel mit den gelben Bällen als Elitesport für einen auserwählten Kreis von Leuten, denen das Erscheinungsbild auf dem Platz – Polo-Shirt und Tennis-Röckchen – mindestens genauso wichtig war wie das Spiel selbst. Erst Boris Becker und Steffi Graf konnten dieses Klischee durchbrechen – sie machten Tennis zum Massensport. Der Erfolg dieser beiden Ausnahmeathleten hat zu einem Tennis-Boom geführt, der heute zwar abgeflacht ist, aber dennoch Hunderttausende zum Tennis gebracht hat, die sich vor Graf und Becker niemals vorstellen konnten, Sandplatz-Fans zu werden.
Die Frage, ob Golf die gleiche Karriere bevorsteht, ist schwer zu beantworten. Das hängt wohl davon ab, wie sehr sich die Plätze der „normalen“ Bevölkerung öffnen. Und in dieser Hinsicht ist in den vergangenen Jahren viel passiert. Zwar gibt es noch immer exklusive Anlagen, auf denen neben der Platzreife und einer satten Aufnahmegebühr auch weitere Kriterien erfüllt sein müssen – nur, um den Kreis der Spieler so elitär wie möglich zu halten. Aber es gibt auch immer mehr moderne Golfplätze, die Golf vor allem als das verkaufen, was es ist: als Freizeitsport. Im süddeutschen Raum sind in den vergangenen Jahrzehnten viele Golfplätze entstanden, die sich über eine zunehmende Zahl von Gästen freuen können. Ein Erfolgskonzept, das zum Beispiel in Bad Waldsee aufgeht, ist die Kombination einer perfekten, landschaftlich reizvollen Golfanlage mit einem professionellen Tagungs- und Event-Ambiente, das auch in „golfarmen“ Zeiten für Umsatz sorgt. Was Golf vor allem für Menschen mit etwas mehr Zeit interessant macht, ist die inzwischen übliche Praxis, dass Spieler mit Platzreife in touristisch geprägten Regionen auf der ganzen Welt als Gast-Spieler den Rasen betreten dürfen – gegen Gebühr, versteht sich, aber immerhin. Auch sind die Aufnahmeregeln in vielen Clubs heute nicht mehr so streng, die Gebühren wurden zum Teil drastisch gesenkt.
Das alles hat dazu geführt, dass Golf heute eine weitaus jüngere Sportart ist, als das vor zwanzig Jahren der Fall war. Die Mode, die Benimm-Regeln und das Ambiente in den Clubhäusern haben nachgezogen, es muss nicht mehr „very british“ sein. Die Einen mögen bedauern, dass auf diese Weise das ganz Besondere am Golfsport – oder vielmehr das Elitäre – verloren geht. Auf der anderen Seite erfreuen sich heute mehr Menschen denn je an diesem überaus gesunden und spannenden Sport. Dieser Trend wird anhalten, behauptet zumindest die Sportartikelbranche, die im Golfsport noch immer Potenzial sieht – mit oder ohne Tiger Woods.
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