Weingarten (bt) – Es gibt viele Gründe, als deutscher Unternehmer oder Politiker sauer auf die Schweiz zu sein. Durchfahrtsbeschränkungen und Mautgebühren, Steuerthematik und Bankgeheimnis, Flughafenlärm und Atommüll-Lager – all diese Themen sind nicht geeignet für einen vergnüglichen Abend, an dem es hauptsächlich um das Pflegen von Kontakten geht. Trotzdem ist Moritz Leuenberger, Schweizer Bundesrat und zuständig für die Themen Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, der Spagat gelungen: Beim Neujahresempfang der beiden Industrie- und Handelskammern Ulm und Oberschwaben im Kultur- und Kongresszentrum Weingarten unterhielt er die Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft mit dem Wortwitz eines vielseitigen, erfahrenen Volksvertreters und – natürlich – mit viel Schweizer Charme. Bei den Themen selbst wich Leuenberger jedoch aus. Weder zum Transit, noch zu anderen aktuellen Themen im Nachbarschaftsstreit zwischen Schweiz und Deutschland bezog er klar Stellung.
Dafür war es wohl auch nicht der richtige Ort. Dennoch: Formulierungen wie „nicht jede Differenz ist gleich ein Problem“, oder „wir sind in Europa doch alle Nachbarn“, kamen beim Publikum zwar gut an, in der Sache führten sie letztlich aber kaum weiter, so das allgemeine Resumée vieler Gäste.
Selbst die Fragen, die Ravensburgs IHK-Präsident Heinrich Grieshaber – selbst Speditionsunternehmer – zum Thema Logistik beantwortet haben wollte, blieb Leuenberger schuldig. Der Ulmer IHK-Präsident Dr. Peter Kulitz nutzte indes die Gelegenheit, um die Politik daran zu erinnern, dass die Wirtschaft zum Subventionsverzicht bereit sei, wenn sich Belastungen dadurch verhindern ließen. „Aber das scheint zurzeit gar niemanden zu interessieren“, sagte Kulitz. Das Angebot der Wirtschaft stehe, die Politik reagiere aber nicht darauf, obwohl sich hier Milliardenbeträge einsparen ließen.
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