Die IHK macht mobil: „JA zu Stuttgart 21“ – mit diesem Slogan werben die Wirtschaftsverbände in der Region – allen voran die IHK – für die Realisierung und gegen den Baustopp des Mammut-Projekts.
Was hat die Wirtschaft in Ulm davon, wenn in Stuttgart der Bahnhof tiefergelegt und gedreht wird?
N a t ü r l i c h steht für uns als Ulmer die neue Bahnstrecke von Ulm nach Wendlingen im Vordergrund Die Neubaustrecke und Stuttgart 21 sind allerdings als ein untrennbares Gesamtprojekt zu betrachten und bedingen sich gegenseitig Denn ohne Stuttgart 21 endet die Neubaustrecke von Ulm kommend in Wendlingen sprichwörtlich auf dem Acker Erst durch die Tieferlegung und Drehung des Stuttgarter Hauptbahnhofes wird eine neue Trassenführung über die Fildern ermöglicht, die in Wendlingen an die Neubaustrecke anschließt.
Sollte S21 nicht oder in abgespeckter Form kommen – was hätte das für Folgen für den Bahnverkehr in Ulm?
Alternative Konzepte zu Stuttgart 21 wurden vielfach geprüft Das von den Gegnern forcierte Modell Kopfbahnhof 21 wäre aus Sicht von Experten nicht entscheidend kostengünstiger als Stuttgart 21 Die Planung und Finanzierung für diese Alternative sind ungeklärt Das würde viele Jahre in Anspruch nehmen und im Neckartal erhebliche Widerstände hervorrufen Zwischenzeitlich würden die Weichen für die Hochgeschwindigkeitsstrecke anderweitig gestellt So sind für die Magistrale für Europa von Paris nach Budapest alternative Linienführungen über Frankfurt und Ingolstadt nach München mehr als wahrscheinlich Aus diesem Grund besteht die berechtigte Sorge, dass bei einem Scheitern von Stuttgart 21 auch die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm gestrichen werden könnte.
Gibt es Betriebe oder Wirtschaftszweige in Ulm, die Aufträge verlieren würden, wenn S21 nicht kommt?´
Eine Studie zur volkswirtschaftlichen Bewertung des Projektes Stuttgart 21/ Neubaustrecke Wendlingen-Ulm hat ergeben, dass mit diesem Konzept neben positiven Impulsen in der Bauphase auch dauerhaft erhebliche Wachstumseffekte erzielt werden können So ist aufgrund der starken Reisezeitverkürzungen alleine durch die dadurch induzierten Produktionssteigerungen von 8 000 bis 9 500 zusätzlichen Vollerwerbsstellen auszugehen Die Wirtschaftskraft soll dauerhaft um 500 Millionen Euro pro Jahr zulegen Hiervon profitiert ganz Baden-Württemberg, vor allem aber der Stuttgarter Raum und eben der Osten Baden-Württembergs.
Was wird aus dem Bahnhof Ulm, wenn S21 nicht realisiert wird?
Der Ulmer Bahnhof erhält einen ideellen Schub, wenngleich dieses vorwiegend städtebauliche Entwicklungsprojekt sicherlich auch ohne S21 verfolgt werden würde Entscheidend ist aber, wie sich das Umfeld des Bahnhofs Ulm verändern würde Mit der Anbindung an die Hochgeschwindigkeitsstrecke würde Ulm zu einem Hotspot für Kommunikation und Dienstleistungen in Süddeutschland.
Es sieht so aus, als ob Stuttgart 21 teurer wird als angenommen. Gibt es eine Schmerzgrenze, wie viel Geld das Projekt kosten darf, damit das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag noch stimmt?
Fakt ist, dass für Stuttgart 21 vorsorglich eine Risikovorsorge in Höhe von 1,45 Milliarden Euro eingeplant wurde Diese wurde mit den jüngsten Kostensteigerungen auch nicht abgeschöpft, es besteht also noch ein Puffer für etwaige Zusatzkosten Derzeit ist und bleibt das Projekt Stuttgart 21/ Neubaustrecke Wendlingen-Ulm auch wirtschaftlich Der Refinanzierungsraum weist zudem ein für Infrastrukturmaßnahmen dieser Größe absolut akzeptablen Wert auf Bei Investitionskosten für das Gesamtprojekt von sieben Milliarden Euro oder – wie von den Gegnern behauptet – zehn Milliarden Euro ist zu beachten, dass es sich um eine langfristige Investition handelt Auf einen Zeitraum von 100 Jahren betrachtet – die jetzige Strecke ist 160 Jahre alt – ergibt sich ein Betrag von 70 oder auch 100 Millionen Euro pro Jahr Dies ist eine hervorragende Investition für unsere Kinder und Kindeskinder.